Die INPP-Methode oder neurophysiologische Entwicklungsförderung

Ziele des INPP (Institut für Neuro-Physiologische Psychlogie)

Dr. Peter Blythe und Sally Goddard Blythe haben Auswirkungen frühester Störungen in der Entwicklung des Zentralen Nervensystems auf die weitere kindliche Entwicklung in Bezug auf Bewegung, Wahrnehmung, Verhalten und Lernen erforscht und dabei Restreaktionen frühkindlicher Reflexe, die über ihre eigentliche physiologische Waltezeit hinaus fortbestehen, als mitverantwortlich für Entwicklungsauffälligkeiten in diesen Bereichen ausgemacht.

Das INPP hat daraufhin ein diagnostisches Instrumentarium entwickelt, mit dessen Hilfe auch bei älteren Kindern und Jugendlichen (ebenso wie auch bei Erwachsenen) noch diese unreifen neuromuskulären Muster im jeweiligen Ausprägungsgrad erfasst werden können. Als Behandlungsprogramm zur nachträglichen Ausreifung und Hemmung noch fortbestehender Restreaktionen wurden spezifische Bewegungsübungen konzipert, die etwa 1–1 1⁄2 Jahre täglich nach qualifizierter Anleitung und regelmäßiger Supervision zu Hause durchgeführt werden müssen.

Frühkindliche (primitive) Reflexe/Restreaktionen

Mittlerweile weist die Forschungslage zur kindlichen Entwicklung eindeutig darauf hin, dass die Anfänge für Störungen der Wahrnehmung, der Motorik, des Verhaltens und des Lernens bei einem Individuum zu einem recht frühen Zeitpunkt seiner Entwicklung zu suchen sind. Das Stichwort „fötale Programmierung“ besagt, dass neben der genetischen Veranlagung die Umstände, unter denen ein Kind die Zeit im Mutterleib verbrachte und die Art und Weise, wie es auf die Welt kam, die weitere Entwicklung eines Kindes entscheidend mitprägen können.

Bei vielen Bewegungen, die eine Mutter im Bauch spürt, handelt es sich um diese primären (ersten) Reflexe „in Aktion“. Sie ermöglichen Bewegungen des Babys, bauen dadurch Muskelspannung auf und tragen über die Wahrnehmung der Bewegungen zum Ausbau weiterer Nervenschaltkreise und damit insgesamt zur weiteren Hirnausreifung bei. Sie spielen dann eine zentrale Rolle bei der Geburt in dem Sinne, dass sich das Baby mit Hilfe seiner Reflexbewegungen selber „kooperativ“ an seiner eigenen Geburt beteiligen kann, und sichern dann das Überleben des Kindes in der ersten Zeit nach der Geburt.

In der weiteren Ausreifung des Gehirns sollten dann die Bewegungsmuster des Kindes nicht mehr stereotype Reaktionen auf einen auslösenden Stimulus sein, sondern sich differenzierter auf die jeweiligen Umwelterfahrungen ausrichten. Die primitiven Reflexe sollten im Laufe des ersten Lebenshalbjahres nach und nach gehemmt bzw. integriert werden.

Wenn Restreaktionen von frühkindlichen Reflexen bleiben

Geschieht dieses nicht oder nicht vollständig, so kann die weitere nachfolgende Entwicklung zwar weiter voranschreiten, jedoch tut sie das auf einem unsicheren Fundament. In solchen Fällen spricht das INPP von einer neurologischen Entwicklungsverzögerung, die diagnostisch an fortwirkenden Resten frühkindlicher Reflexe erkennbar ist. Restreaktionen frühkindlicher Reflexe können danach einen nicht unwesentlichen Anteil an den so genannten unspezifischen Störungen haben, die zu häufigen Diagnoseunsicherheiten und zu der Erfahrungen vieler Therapeuten führen, dass sie bei manchen Kindern trotz intensiver Bemühungen nicht die erwünschten Behandlungserfolge erzielen.

So manche Verhaltensauffälligkeit, grob- und feinmotorische Ungeschicklichkeit, unerklärliche Lernproblematik bei deutlich vorhandener Intelligenz kann somit als Folge persistierender Restreflexe.
Quelle: www.inpp.de/theoretischer_hintergrund.php